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Airmanship und Flugsicherung
Airmanship
Der Begriff Airmanship taucht in den Acceptable Means of Compliance (AMC) zu SFCL häufig auf, seine Bedeutung muss jedem Segelflieger klar sein. Eine deutsche Übersetzung für Airmanship gibt es nicht, es lässt sich weder ein passender deutscher Begriff noch eine kurze Umschreibung finden.
Es wird häufig Anthony Kern (Redefining Airmanship, McGraw-Hill, 1997) zitiert und bedeutet in freier Übersetzung:
„Airmanship ist die konsequente Nutzung guten Urteilsvermögens und gut entwickelter Fähigkeiten, um fliegerische Ziele zu erreichen“.
Die Grundlage guter Airmanship besteht aus
- einer kompromisslosen Flugdisziplin,
- der systematischen Entwicklung eigener Fähigkeiten (Lernen) und
- ständiger Übung
Airmanship ist also ein mehrdimensionales Konzept, das die routinierte Steuerung eines Flugzeugs und das Treffen guter Entscheidungen vor und während des Fluges beinhaltet und eng mit Flugdisziplin verbunden ist.

Airmanship kann nicht als Theoriefach unterrichtet werden
Einige Aspekte von Airmanship lassen sich in der praktischen Ausbildung erlernen, wie z.B. Luftraumbeobachtung, dennoch wirst du kaum ohne theoretische Kenntnisse auskommen (2.2.2.5 Luftraumbeobachtung und 6.1.6 Luftraumbeobachtung).
Als Pilot musst du dir über deine Verantwortung und eigenen Fähigkeiten klar werden und dich so verhalten, dass du jederzeit in der Lage bist, die Situation zu beherrschen.
Du musst verstehen, dass gute Airmanship nicht etwas ist, was du während eines Fluges bei Bedarf anwenden und dann wieder beiseitelegen kannst. Airmanship beginnt bereits, ehe du von zuhause zum Flugplatz aufbrichst.
Zur Airmanship gehört neben guter Luftraumbeobachtung und rücksichtsvollem Verhalten in der Luft insbesondere das Vermögen, Probleme zu lösen. Ein Luftfahrer muss die Fähigkeit besitzen, Ereignisse vorauszusehen, die zwar unwahrscheinlich sind, aber doch eintreten könnten. Ein guter Pilot weiß vorher, wie er sich in einem solchen Fall verhält und was er sich zumuten kann. Er hat stets einen „Plan B“
Airmanship kann auch als einen persönlichen Zustand bezeichnet werden, der es einem Piloten oder einer Mannschaft ermöglicht, mit genügend Selbstvertrauen ein gesundes Urteilsvermögen zu beweisen, kompromisslose Flugdisziplin an den Tag zu legen und perfekte Kontrolle über das Segelflugzeug in normalen und außergewöhnlichen Situationen zu zeigen. Dieser Zustand wird durch kontinuierliches Streben nach eigener Verbesserung und den Wunsch aufrechterhalten, jederzeit eine optimale Leistung zu erbringen.
Sicherheit
Grundsätzlich ist jeder für seine eigene Sicherheit selbst verantwortlich, allerdings bist du je nach Ausbildungsstand ein wichtiger Teil des gesamten Teams „Sicherheit im Segelflug“
Wie bei jeder Sportart hat auch beim Segelfliegen die Sicherheit oberste Priorität.
Wie sicher ist Segelfliegen? Verkehrsflugzeuge sind heute das sicherste Verkehrsmittel. Segelfliegen kann ebenso sicher sein, wenn wir einige Grundregeln befolgen:
Verkehrsfliegerei
Als Passagier in einem Verkehrsflugzeug bist du weitaus sicherer als Beifahrer in einem Auto.
In jüngerer Zeit ist die kommerzielle Luftfahrt Jahr um Jahr noch sicherer geworden, als sie ohnehin schon war. Dies verdankt sie nur zum Teil dem technischen Fortschritt. Vieles hat sich an der Art und Weise geändert, wie Piloten miteinander umgehen. Früher wurde man bestraft, wenn man einen Fehler gemacht hat. Es war problematisch, über die Schwächen anderer Piloten zu sprechen. Dies zählte mit zur Ursache schwerer Unfälle.
Heute versuchen Piloten, aus den Fehlern anderer zu lernen. Fliegen ist zu einer Teamaufgabe geworden.
Risiko
Was versteht man unter Risiko?
Lunch atop a Skyscraper (Wikipedia gemeinfrei)
Warum sollten wir also das Risiko eines Flugunfalls eingehen?
Weil Segelfliegen spannend ist
Wir wissen nicht, ob wir den benötigten Aufwind finden, ob wir das Ziel unseres Streckenfluges ohne Probleme erreichen werden, oder ob wir unser Kunstflugprogramm fehlerfrei absolvieren können. Wir schätzen ein gewisses Maß an Unsicherheit, wir mögen Abenteuer, aber wir brauchen keine Unfälle.
Unvorhergesehene Ereignisse
Das Gefahren- und Fehlermanagement
In der kommerziellen Luftfahrt dient das Gefahren- und Fehlermanagement dazu, sich auf Gefährdungen vorzubereiten und mögliche Risiken im Voraus zu erkennen.
Genauso solltest du auch beim Segelfliegen verfahren.
- Was soll ich tun, wenn ich kurz nach dem Abheben des Schleppflugzeugs ausklinken muss?
- Wie reagiere ich auf einen Seilriss beim Windenstart?
- Was tue ich, wenn die Landebahn (der Außenlandeacker) zu kurz wird?
Riss der Sollbruchstelle (© Gregor Gratschner)
Wie sicher ist Segelfliegen?
Segelfliegen bleibt ein sicherer Sport, wenn wir unnötige Risiken vermeiden.
Dazu gehören beispielsweise:
- nicht ordnungsgemäß angelegter Fallschirm;
- Ablenkung im Flug durch Fotografieren oder Filmen;
- Fliegen unter Stress oder in fluguntauglichem Zustand.
Keiner kann dir genau sagen, wie sicher Segelfliegen speziell für dich ist. Es hängt ganz davon ab, wie viel Risiko du eingehen willst.
Statistiken zeigen, dass Fliegen im Gebirge gefährlicher ist, als Fliegen über dem Flachland. Auch Wettbewerbsflüge bergen zusätzliche Risiken, da viele Flugzeuge gleichzeitig auf Strecke sind, und gewinnen zu wollen den Piloten zusätzlichem psychischem Druck verschafft. Für die meisten von uns ist das Risiko, in den Bergen zu fliegen, trotzdem akzeptabel. Wir gehen dieses zusätzliche Risiko ein, weil es toll ist, in einer so beeindruckenden und anspruchsvollen Umgebung zu fliegen.
Aber nur wenige von uns dürften sich zutrauen, an einem Wettbewerb im Gebirge teilzunehmen. Jeder neue Schritt birgt neue Risiken. Du musst deine eigenen Grenzen kennen und neue Schritte erst wagen, wenn du dafür ausreichend trainiert hast und dich dazu in der Lage fühlst. Du darfst das nächste Ziel nicht zu weit planen.
Wie kann Segelfliegen sicherer werden?
Faktoren die die Sicherheit fördern
Es gibt mehrere Faktoren, die das Fliegen sicherer machen. Diese sind die drei wichtigsten:
- technischer Fortschritt
- bessere Verfahren und Vorschriften und
- eine bessere Fehlerkultur
Technischer Fortschritt ist ein kontinuierlicher Prozess. Die Cockpits neuerer Segelflugzeuge sind wesentlich widerstandsfähiger konstruiert als noch vor 30 Jahren, wir benutzen äußerst zuverlässige Rettungsfallschirme, elektronische und optische Geräte warnen uns vor Kollisionen, und so weiter. Bessere Ausrüstung hat tatsächlich viele Leben gerettet.
Wir könnten unsere Verfahren und Vorschriften verbessern, indem wir kritische Vorfälle melden, und dadurch gefährliche Entwicklungen erkannt werden können.
Hier gibt es noch viel Nachholbedarf. Sei also ehrlich, was deine eigenen Fehler betrifft, und melde alle gefährlichen Vorfälle, die dir in deinem Umfeld aufgefallen sind. In deinem Verein gibt es wahrscheinlich ein Verfahren, das die Meldung solcher Vorfälle ermöglicht. Selbst die Meldung einer Kleinigkeit könnte eines Tages Leben retten!
Darüber hinaus hat die EU ein Portal eingerichtet, auf dem sicherheitsbezogene Vorkommnisse in der Luftfahrt gemeldet werden können: ECCAIRS2 Report an Occurrence.
Dadurch soll eine europaweite Datenbank geschaffen werden, mit deren Hilfe der Sicherheitsstandard im zivilen Luftverkehr erhöht werden kann. Gemäß der EU-Verordnung sind Piloten und andere Beteiligte sogar verpflichtet, meldepflichtige Ereignisse (in der VO geregelt) innerhalb von 72 Stunden im Portal einzutragen
Fast alle Unfälle sind auf Pilotenfehler zurückzuführen. In der Luftfahrt werden diese als „menschliche Faktoren“ bezeichnet. Daher ist der dritte und wichtigste Punkt, um das Segelfliegen gefahrloser zu machen, die Entwicklung einer sicherheitsfördernden Fehlerkultur. Das können wir nur gemeinsam erreichen.
Jeder macht Fehler, sogar dein Fluglehrer, selbst wenn er tausend oder noch mehr Flugstunden hat. Über Fehler und menschliche Fehlbarkeit zu sprechen ist nicht immer einfach. Besonders dann nicht, wenn es um jemanden geht, der älter und/oder viel erfahrener ist als du. Aber wenn die Gesprächsatmosphäre ungezwungen bleibt und alle entspannt sind, kann man leichter miteinander reden.
Sei tolerant und nimm Feedback als Chance an, besser zu werden. Man hilft sich gegenseitig, besonders wenn jemand offensichtlich Hilfe benötigt. Im Idealfall kann ein sechzehnjähriger Flugschüler den Ausbildungsleiter auf sein Verhalten ansprechen. Schließlich betreiben wir alle einen Sport, der Spaß macht, und wir haben alle dasselbe Ziel:
Aus jedem Flug das Beste herauszuholen.
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