6.2.1 Der Windenstart
Die am häufigsten verwendete Startmethode in der Ausbildung ist der Windenstart. In diesem Abschnitt geht es um folgende Details beim Windenstart:
- 6.2.1.1 Winde und Windenseil
- 6.2.1.2 Windenfahrer
- 6.2.1.3 Seilrückholer (Seilrückholwagen zum Ausziehen der Seile)
- 6.2.1.4 Einklinken beim Windenstart (Einklinker und Flächenhelfer)
- 6.2.1.5 Windenstart
6.2.1.1 Winde und Windenseil
Vorwort
Die kostengünstigste Startmethode, Komponenten
Die Windenstartmethode ist viel billiger als der F-Schlepp und es können mehr Starts pro Stunde durchgeführt werden. Für einen Windenstart wird als Startbahn ein hindernisfreier Streifen etwa 1000 Metern Länge und mindestens 30 Metern Breite empfohlen.
Seilausstattung und Winde
Liste aller Komponenten
- Anschlussringpaar nach Angaben des Herstellers der Kupplung.
- Versteiftes Vorseil von mindestens 3 m Länge (zur Verhinderung von Schlaufenbildung und Verfangen am Segelflugzeug). Zur besseren Erkennbarkeit sollten die Versteifungsschläuche die gleiche Farbe wie die verwendeten Sollbruchstellen haben.
- Sollbruchstelle gem. Flughandbuch des geschleppten Segelflugzeuges (Sie kann auch zwischen dem Ringpaar und dem versteiften Vorseil angebracht werden.)
- Zwischenseil von mindestens 2 Meter Länge bei Seilfallschirmen mit einem Durchmesser bis zu 1,5 m, mindestens 10 Meter Länge bei der Verwendung von Seilfallschirmen mit einem Durchmesser größer 1,5 m
- Seilschirm max. 2,0 m Durchmesser
- Windenschleppseil
- Seilführung und Kappeinrichtung
- Windenmotor
- Getriebe, bzw. Übertragung
- Spulvorrichtung
- Seiltrommel
Vom Windenschleppseil bis zum Segelflugzeug
Windenseilausstattung
Reihenfolge der Komponenten, die Sollbruchstelle
Das Windenseil wird mit dem Seilfallschirm mit einer Schnelltrennstelle verbunden. Nach dem Seilfallschirm kommt zunächst ein Zwischenseil, dann folgt die Sollbruchstelle und das versteifte Vorseil mit dem Ringpaar. Das versteifte Vorseil hat eine Länge von mindestens 3.m Länge (zur Verhinderung von Schlaufenbildung und Verfangen am Segelflugzeug).
Zwischenseil
Das Seil zwischen Sollbruchstelle und Seilfallschirm, Funktion
Der Seilfallschirm
Funktion des Seilfallschirm
(Hinweis: Die Angaben gemäß SBO sind zu beachten.)
Vom Seilfallschirm bis zur Winde
Das Startwindenseil
Windenseile aus Stahl oder Kunststoff, Anforderungen an die Bruchfestigkeit
In der Vergangenheit wurden überwiegend Windenseile aus Stahl verwendet. Heutzutage werden zunehmend Kunststoffseile verwendet. Kunststoffseile sind viel leichter, haben oft eine höhere Bruchfestigkeit, reißen daher seltener. Durch das geringere Gewicht des Seils wird eine größere Schlepphöhe erreicht.
Start- und Landebahn
Anforderungen für einen Windenstart
Die Start- und Landebahnen müssen ständig kurz gemäht und eben sein. Bei höherem Grasbewuchs besteht die Gefahr, dass die Tragflügelenden hängen bleiben und das Segelflugzeug ausbricht.
Sind mehrere Startstellen in Betrieb, so muss eine eindeutige Verständigung, insbesondere über die Startreihenfolge untereinander, möglich sein.
Die Seilwinde
Zum Starten an einer Winde benötigst du zunächst eine kräftige Seilwinde mit geeignetem Bedienpersonal. Außerdem musst du einige weitere Komponenten wie z.B. die Durchführung des Startvorgangs, die geeignete Fluggeschwindigkeit, die Seilgeschwindigkeit, die Windrichtung usw. berücksichtigen.
Allgemeines zum Windenstart
Fluggeschwindigkeit, Seilgeschwindigkeit und Startvorgang
Die Fluggeschwindigkeit des geschleppten Segelflugzeugs hängt von mehreren Faktoren ab:
- der Seilgeschwindigkeit
- der Phase des Windenstarts
- der Windrichtung und Windstärke
Beim Rollen über den Boden ist die Bewegungsgeschwindigkeit des Segelflugzeugs gleich der Seilgeschwindigkeit. Nach dem Abheben steigt das Segelflugzeug zunächst flach, später in einem Winkel von ca. 45°. Die Geschwindigkeit des Flugzeugs ist dann höher als die Geschwindigkeit des Windenseils. Je höher das Segelflugzeug steigt, desto größer ist der Winkel, den das Windenseil mit dem Segelflugzeug bildet. In der Nähe des Scheitelpunktes ist die Fluggeschwindigkeit etwa doppelt so hoch wie die Geschwindigkeit des Windenseils (ohne den Einfluss des Windes). Die Seilgeschwindigkeit hängt auch von der Windstärke und -richtung ab. Weht kein Wind oder der Wind kommt mit ca. 90° von der Seite, so ist eine höhere Seilgeschwindigkeit beim Einziehen erforderlich. Die Windstärke nimmt normalerweise mit der Höhe zu. Wenn der Wind direkt auf die Startbahn gerichtet ist, kann dadurch die die Seilgeschwindigkeit geringer sein.
Das Einschätzen der richtigen Seilgeschwindigkeit ist eine Frage der Erfahrung. Je nach geschleppter Masse, Luftfahrzeugtyp, Startphase, Windstärke und Windrichtung bestimmt der Windenfahrer, wie viel Gas er gibt. Winden, die über einen Seilkraftmesser verfügen, können die Seilkraft an den Typ des Segelflugzeugs anpassen. Letztendlich bleibst du als Pilot für einen sicheren Windenstart verantwortlich. Du hast einen Fahrtmesser und musst unverzüglich ausklinken, wenn die Gefahr besteht, dass die Normalfluggeschwindigkeit unterschritten oder die höchstzulässige Windenschleppgeschwindigkeit überschritten wird.
Für alle Belange des Windenstarts sind auch die Vorschriften aus den Startwindenfahrer-bestimmungen bindend.
Beim eigentlichen Startvorgang müssen folgende Punkte beachtet werden
- Sind andere Luftfahrzeuge im Start oder Landeanflug, ist normalerweise der Windenstart nicht erlaubt. Es gelten im Einzelfall die Vorschriften des Flugplatzes.
- Der Leistungsbedarf richtet sich nach der anhängenden Schleppmasse und dem Typ des zu schleppenden Segelflugzeugs. Nicht zu wenig, damit das Segelflugzeug nicht zu lange am Boden rollt, aber auch nicht zu viel. Der Pilot könnte durch die hohen Beschleunigungskräfte zu sehr in das Sitzkissen gedrückt werden bzw. das Segelflugzeug kann sich aufbäumen.
- Wenn ein Segelflugzeug beim Start Gefahr läuft, mit einem Flügel den Boden zu berühren, ist sofort auszuklinken. Der Pilot sollte deshalb seine Hand beim Start in der Nähe des gelben Ausklinkgriffs haben.
- Tritt beim Startvorgang eine Störung auf, so kann der Startleiter den Start, bevor das Segelflugzeug abhebt, abbrechen, indem er mehrfach das Kommando „Halt-Stopp, Halt-Stopp" ruft. Der Startvorgang ist dann durch die Winde sofort abzubrechen. Der Windenfahrer muss auf weitere Anweisungen warten, bevor mit dem Einziehen des Seils fortfahren wird.
Seilführung und Kappmechanismus
Azimutrollen zur Führung des Seils, Aufgabe der Kappvorrichtung
Wenn das Windenseil eingezogen wird, kommt das Seil unter einem sich ständig ändernden Winkel an der Winde an. Um das Seil sauber auf die Trommel zu wickeln, muss das Seil über die Seilführung zur Trommel geführt werden.xx
Eine solche Seilführung besteht aus zwei Metallrollen (Azimutrollen) und dahinter zwei Scheiben, die das Seil zur Seiltrommel führen. Direkt dainter befindet sich die Kappvorrichtung.
Falls ein Segelflugzeug das Seil nicht ausklinkt, kann der Windenführer das Windenseil kappen. Der Segelflugzeugpilot kann dann landen, indem er mit dem unter dem Segelflugzeug hängenden Seilstück Kreise fliegt.
Die Kappvorrichtung ist eine zusätzliche Sicherheitseinrichtung. Sie kommt zum Einsatz, wenn sich das Seil nicht vom Segelflugzeug löst oder eine andere Gefährdung durch das Windenseil entsteht. Beides ist sehr selten der Fall.
Wenn die Winde durch das Segelflugzeug mit anhängendem Seil überflogen wird, oder das Segelflugzeug mit anhängendem Seil eine Kurve einleitet, dann ist das Seil unverzüglich zu kappen.
Sollte ein Piloten das Ausklinken vergessen haben, so ist die Schleppkupplung so ausgeführt, dass die Ringautomatik durch den großen Ring des Doppelringpaares, das am Vorseil befestigt ist, als Ganzes zurückgleitet und der kleine Ring und damit das gesamte Windenseils aus der Schleppkupplung fällt.
Windenmotor, Getriebe und Spulvorrichtung
Leistung, Übertragung und korrekte Aufwicklung des Seils
Informationen zu den Leistungsanforderungen an den Windenmotor, über das Getriebe und die Spulvorrichtung kannst du hier nachlesen ![]()
6.2.1.2 Windenfahrer
Voraussetzungen, Ausbildung und Prüfung, wichtige sicherheitsrelevante Grundregeln
Dieses Wissen betrifft vorwiegend den Windenfahrer, aber gewisse Kenntnisse sind auch für dich von Vorteil. ![]()
6.2.1.3 Seilrückholer
Wer darf Lepo fahren, worauf muss geachtet werden?
- Die Seile sind gerade von der Winde zur Startstelle auszuziehen.
- Es ist sicherzustellen, dass das zuerst geschleppte Seil beim Einziehen nicht unter/über das/die andere(n) Seile gezogen wird.
Segelfliegen ist ein Mannschaftssport. Damit alles möglichst reibungslos abläuft, werden die Aufgaben so klar wie möglich verteilt. Gemeinsames Aufräumen, zurückholen der Segelflugzeuge vom Landeplatz, Aufräumen, Waschen der Segelflugzeuge und Einräumen in den Hangar gehören zu den Standardaufgaben eines Segelfliegers.
| Eine der Aufgaben ist die, die Windenseile von der Winde zur Startstelle zu ziehen. Die Seile werden mit einem Traktor oder einem Auto, genannt Lepo, ausgezogen. Das ausziehen der Seile wird von erfahrenen Segelflugzeugpiloten durchgeführt. Wenn du aufgefordert wirst, Seile auszuziehen, und du dies noch nie getan hast, dann sage dies und lasse dich zuerst von einem erfahrenen Segelflieger als Lepofahrer einweisen. |
Fahre die Seile die ersten paar Mal unter seiner Aufsicht aus.
Der Lepofahrer hängt die Seile am Lepo ein. Stelle sicher, dass zwischen dem Seil und dem Befestigungspunkt am Lepo eine Sollbruchstelle vorhanden ist (z.B. eine Schlaufe aus einem dünnen Stück Stahldraht). Wenn eine Störung an der Winde dazu führt, dass das Seil während des Ausziehens blockiert oder behindert wird, könnte sonst das Seil reißen und mit hoher Geschwindigkeit beim Zurückfedern durch die Luft geschleudert werden.
Nach dem Anhängen zieht der Lepofahrer die Seile zunächst sehr langsam straff. Er fährt dann mit geringer und konstanter Geschwindigkeit Richtung Startstelle.
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Während die Seile ausgezogen werden, behält der Lepofahrer auch landende Luftfahrzeuge im Auge. Sollte er bemerken, dass ein Luftfahrzeug im Begriff ist, auf seinem Windenweg zu landen, wird der Lepofahrer allmählich langsamer fahren, ganz stoppen oder, wenn nötig, seine Schleppstrecke für das landende Luftfahrzeugzeug freigeben. Bei Doppel- bzw. Mehrtrommelwinden (zwei und mehr Seile) ist es immer sinnvoll, sofern es die Flugplatzverhältnisse zulassen, dass der Lepofahrer die Seile in Richtung des luvseitig stehenden Segelflugzeugs an die Startstelle zieht. Wird dann das vorgesehene erste Schleppseil zu dem startbereiten Segelflugzeug gezogen, wird automatisch ein ausreichender Abstand zwischen den Seilen erreicht. Bei diesem Verfahren bleibt der Abstand bis zum Abheben des startenden Segelflugzeugs gewahrt. |
6.2.1.4 Einklinken beim Windenstart
Ablauf und Kommandos, sicherheitsrelevante Regeln
Worauf müssen Einklinker und Flächenhelfer achten?
Aufgaben und Kommandos für Einklinker und Flächenhelfer, sicherheitsrelevante Grundregeln
Kannst du mal eben einklinken? Diese Worte wirst du oft hören. Mache es erst, wenn ein anderer dir dies genau gezeigt hat.
Der Vorteil dieses Jobs ist, dass man sich in der Nähe des Segelflugzeugs befindet, wenn ein Fluglehrer den Schüler einweist. Man lernt viel aus all diesen Briefings.xx
Als Einklinker musst du das Windenseil mit der Schnelltrennstelle (1), den Seilfallschirm mit Zwischenseil (2), das Vorseil (3), die Sollbruchstelle (4) und das Doppelringpaar am Vorseil (5) kennen.
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Lasse die Windenseile liegen, solange die gelbe Signalleuchte der Winde an ist oder der Windenfahrer ein weiteres Seil einzieht. Das eingezogene Seil kann ein anderes Seil mitziehen. Erst, wenn die Signalleuchte aus ist, darf der Fallschirm für das Seil, mit dem als nächstes geschleppt werden soll, verbunden werden.
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Ziehe dieses Seil gerade vor das zu startende Segelflugzeug. Prüfe dabei den Zustand der Schnelltrennstellen, der Schäkel und des Vor- und Zwischenseils.
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Achte darauf, dass die richtige Sollbruchstelle für das zu schleppende Segelflugzeug verwendet wird.
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Weitere Windenseile oder Seilfallschirme müssen mindestens 2 m außerhalb der Flügelspitze des startbereiten Segelflugzeuges liegen.
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Seilfallschirme der nicht aktiven Seile sind grundsätzlich von diesen Seilen zu trennen.
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Während der Pilot den Startcheck ausführt, wird der Einklinker alle anderen Personen, die in der Nähe des Cockpits stehen, wegschicken. Der Pilot soll den Startcheck ungestört und konzentriert durchführen können.
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Hat der Pilot seinen Startcheck beendet, wird er dich nach der Farbe der Sollbruchstelle fragen. Zeige ihm die verwendete Sollbruchstelle, damit er sieht, dass die richtige Sollbruchstelle am Seil angebracht ist.
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Der Pilot signalisiert durch ein deutliches „Fertig" seine Bereitschaft zum Einklinken.
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Eingeklinkt wird in der Schwerpunktkupplung. (in der Nähe des Hauptrades)
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Vor dem ersten Start des Segelflugzeuges an diesem Tag ist eine Ausklinkprobe durchzuführen, in der geprüft wird, ob die Kupplung unter allen erforderlichen Betriebsbedingungen einwandfrei funktioniert. (Ausklinken ohne Last, unter Last und über die Ringautomatik)
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Vor dem Einklinken prüft der Einklinker nochmals, ob die Schleppstrecke, der Ausklinkraum und der Landeanflugbereich frei sind.
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Erst dann gibt der Einklinker das Kommando: „Aus". Der Pilot zieht den gelben Ausklinkgriff und wiederholt das Kommando des Einklinkers.
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Drücke den kleinen Ring des Doppelringpaares am Vorseil in die Kupplung.
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Auf das Kommando „Ein" des Einklinkers lässt der Pilot den gelben Ausklinkgriff los und wiederholt das Kommando.
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Das Windenseil ist jetzt in der Kupplung des Segelflugzeuges eingeklinkt.
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Ziehe -möglichst horizontal - zur Kontrolle fest am Seil vor dem Seilfallschirm, um zu prüfen, ob das Seil wirklich korrekt eingeklinkt ist und damit das Seil und alle Verbindungstellen straff und gerade vor dem Segelflugzeug ausgelegt ist.
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Einklinken prüfen (© H. Müller)
Flächenhelfer
Aufgaben, Zeichen und Gesten der Flächenhelfer
Der Flächenhelfer wartet, bis der Pilot und ggf. Copilot ihre Startbereitschaft signalisieren.
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Achte darauf, dass sicher gestartet werden kann. Die Startstrecke, der Luftraum über der Winde und dem Start und der Landeanflug müssen frei sein!
Ist alles OK, hebe die Tragfläche an der Flächenspitze mit einer Hand von außen oder hinten an und halte sie waagerecht. Strecke den anderen Arm hoch. Niemals die Flügelnase mit den Fingern von vorn umfassen. -
Sobald das Windenseil straff ist, hältst du den Arm waagerecht, sodass das Zeichen für den Startleiter eindeutig sichtbar ist.
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Das Segelflugzeug bewegt sich und du nimmst den Arm zügig nach unten. Wenn das Segelflugzeug beschleunigt, läufst du ein paar Schritte mit, ohne die Tragfläche zurückzuhalten oder nach vorne, oben oder unten zu drücken und lässt sie rechtzeitig los.
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Segelflugzeug startklar (© H. Müller) |
Startabbruch
Kommando, Verhalten des Piloten und Flächenhelfers
Manchmal ist es im letzten Moment nicht möglich, zu starten. Flächenhelfer oder Startleiter rufen dann mindestens dreimal: „HALT-STOPP". Der Pilot klinkt sofort aus. Erst, wenn sicher ausgeklinkt ist, darf der Flächenhelfer die Tragfläche ablegen. Auch wenn sich der Start verzögert und du warten musst, lasse ausklinken und lege die Tragfläche ab. Tritt, während das Seil gestrafft wird, aber bevor das Segelflugzeug anrollt, ein Problem auf (z.B. Segelflugzeug überrollt nach einem Ruck das Schleppseil) muss ebenfalls das Kommando „HALT-STOPP, HALT-STOPP, HALT-STOPP" gerufen werden und der Pilot muss sofort ausklinken. Achtung: Ist das Segelflugzeug bereits in der Beschleunigungsphase oder hat bereits abgehoben darf das Kommando "HALT-STOPP" nicht mehr gegeben, bzw. beachtet werden. Der Windenfahrer wird das Segelflugzeug regelmäßig immer erst auf eine Höhe schleppen, aus der dem Segelflugzeugführer eine gefahrlose Landung möglich ist; erst dann dürfen andere Maßnahmen ergriffen werden.
6.2.1.5 Der Windenstart
- Phasen des Windenstarts
- Anschleppphase
- Hand beim gelben Ausklinkgriff
- Allmählich den Steigwinkel erhöhen, Aufbäumen verhindern!
- Fluglage beim Windenstart
- Ausklinkhöhe
- Startunterbrechung
Phasen des Windenstarts
Unterscheidung und Beschreibung der 6 Phasen
Dieser Vorgang ist für jeden einzelnen Start abhängig vom Segelflugzeug, dem Wind, dem Typ der Winde und den Steuereingaben des Piloten. Du orientierst dich und kontrollierst deinen Steigwinkel durch Hinausschauen nach rechts und links. Als vorderen Richtungspunkt kannst du, wenn möglich, eine Wolke nehmen. Um den Windenstart zu erklären, unterteilen wir diesen in verschiedene Phasen, die im Bild markiert sind.
Vor dem Start:
- Haube und Haubenfenster geschlossen
- Trimmung eingestellt;
- Notfallbriefing besprochen;
- Schleppstrecke und Ausklinkraum frei;
- richtige Sollbruchstelle verwendet;
- Startbereitschaft dem Helfer am Tragflügel durch Handzeichen signalisieren;
- volle Konzentration;
- Seilstraffen beobachten.
Anrollen
- Tragflächen waagerecht halten;
- die linke Hand ist in der Nähe des gelben Ausklinkgriffs;
- Höhensteuer in Neutralstellung halten und nicht nach hinten ziehen;
- mit dem Seitenruder die Richtung halten.
Abheben
- In einer flachen Steigfluglage abheben
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Aufbäumen verhindern
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Höhenruderausschlag je nach Segelflugzeugmuster (neutral bzw. gedrückt).
Anfangssteigflug
- Nach dem Abheben wird eine flache Anfangssteigfluglage beibehalten bis ausreichend Fahrt aufgeholt ist.
- Auf eine Startunterbrechung vorbereitet sein.
Steigflug
- Von der Anfangssteigfluglage ausgehend wird kontinuierlich steiler werdend in die Steigfluglage gesteuert.
- Die Steigfluglage wird ca. nach 5 -.7 Sekunden erreicht.
- Ein Anstellwinkel deutlich unterhalb des kritischen Anstellwinkels ist entscheidend für die Sicherheit im Steigflug.
- Die hohe Seilkraft erfordert eine angepasste höhere Geschwindigkeit, abhängig von der Steilheit des Schlepps etwa das 1,3.-. bis 1,6.fache der Mindestgeschwindigkeit im freien Geradeausflug;
- die Geschwindigkeit ist während des gesamten Schlepps zu kontrollieren;
- bei zu niedriger Fahrt ist nachzudrücken, erforderlichenfalls auszuklinken;
- die Kontrolle der Steigfluglage erfolgt durch seitliches Hinaussehen;
- bei Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit im Windenschlepp ist ebenfalls auszuklinken;
- die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Windenschlepp ist dem Flughandbuch zu entnehmen.
- Bei einer Startunterbrechung entsprechend den festgelegten Notfallverfahren landen.
Ausklinken
- Im oberen Drittel des Schleppvorganges ist der Steigflug kontinuierlich bis in die Normalfluglage zu verringern.
- Nach automatischem oder manuellem Ausklinken nachdrücken.
- Die Ausklinkvorrichtung dreimal zügig betätigen (nachklinken).
Übergang in den Horizontalflug
- Normalfluglage einnehmen
- Fahrtkontrolle
- Austrimmen
- Blickpunkt beachten
- Orientierung im Luftraum
Anschleppphase
Tragflächen mit Querruder waagerecht halten, mit Seitenruder seitliches Ausbrechen verhindern, Aufbäumen verhindern
In der Anschleppphase rollt dein Segelflugzeug noch am Boden. Du hältst den Steuerknüppel neutral bis leicht gedrückt. Die Tragflächen hältst du durch angepasste Querruderausschläge waagerecht. Das Seitenruder darfst du beherzt mit größeren Ausschlägen nutzen, um ein Ausbrechen zur Seite zu verhindern. Durch die niedrige Geschwindigkeit sind die Ruder nur eingeschränkt wirksam. Deshalb sind für eventuelle Korrekturen größere und schnellere Ruderausschläge erforderlich. In dieser Phase werden Quer- und Seitenruder, anders als im Kurvenflug, unabhängig voneinander betätigt. Das Segelflugzeug wird bei genügend Geschwindigkeit und Auftrieb selbstständig abheben. Wird in der Anschleppphase, solange das Segelflugzeug noch auf dem Boden rollt, das Höhenruder gezogen, kann sich dein Segelflugzeug aufbäumen und es droht ein gefährlicher Kavalierstart!
Hand beim gelben Ausklinkgriff
Allmählich den Steigwinkel erhöhen, Aufbäumen verhindern!
Keine abrupte Ruderausschläge, bei einer Startunterbrechung muss in die Normalfluglage gelangt werden
In der ersten Phase des Windenstarts, der bodennahen Phase, darfst du nie zu steil werden. Kunststoffdoppelsitzer startest du meist mit Trimmung und Steuerknüppel in Neutralstellung. Einige Segelflugzeuge, wie z.B. die K.8, haben die Tendenz, nach dem Abheben zu steil zu steigen (Aufbäumen). Das passiert insbesondere dann, wenn der Windenfahrer zu stark anzieht. Das wirst du durch angepasstes Drücken des Steuerknüppels verhindern.
Nach dem Abheben behältst du eine flache Anfangssteigfluglage bei, bis du ausreichend Fahrt aufgeholt hast. Von dieser Anfangssteigfluglage ausgehend steuerst du langsam steiler werdend mit einem sanften kontinuierlichen Übergangsbogen in die volle Steigfluglage, die du nach ca. 5.-.7 Sekunden erreichst.
Die Gefahren bei einer zu steilen Steigfluglage in geringer Höhe sind Strömungsabriss und Seilriss. Wenn der Anstellwinkel zu groß wird, ist das Segelflugzeug überzogen. und die Strömung an den Tragflächen reißt ab.
Fluglage beim Windenstart
Einhaltung sicherer Betriebsgrenzen für einen sicheren Windenstart, Verhalten bei zu langsamem und zu schnellem Windenstart
Ein sicherer Windenstart ist eine Frage der Erfahrung, der Einhaltung sicherer Betriebsgrenzen und nicht zuletzt auch der äußeren Umstände. Der Windenfahrer schätzt die Geschwindigkeit; er kann nicht auf den Fahrtmesser deines Segelflugzeugs schauen. Wann immer du durch Windböen oder Thermik geschleppt wirst, variiert die Geschwindigkeit. Als Pilot kannst du die genaue Geschwindigkeit am Fahrtmesser ablesen und wenn erforderlich per Funk durchgeben.
Zu langsamer Windenstart
Wenn du zu langsam geschleppt wirst, musst du den Steuerknüppel nachlassen. Falls du weiter zu langsam bist, oder deine Fahrt droht, unter die für den sicheren Windenschlepp erforderliche Mindestgeschwindigkeit zu fallen, Normalfluglage einnehmen und unverzüglich ausklinken.
Zu schneller Windenstart
Ausklinkhöhe
Übergang in Normalfluglage, Ausklinken und Austrimmen
Nun spürst du, wie der Seilzug zurückgeht und infolge der automatischen Ausklinkvorrichtung das Seil herausfällt. Wenn dies nicht geschieht, musst du ausklinken.
Jetzt nimmst du die Normalfluglage ein (nachdrücken und Nase unter den Horizont), klinkst dreimal nach und trimmst dein Segelflugzeug aus. Orientiere dich.
Startunterbrechung
Landeoptionen in Abhängigkeit von der Höhe, den lokalen Gegebenheiten und der Wetterlage
Bei einer Startunterbrechung (z.B. Seilriss) bringst du das Segelflugzeug zügig in die Normalfluglage und steuerst mit Landeanfluggeschwindigkeit weiter. Um sicher zu gehen, dass kein Reststück des Seiles anhängt, wirst du dreimal nachklinken.
Merke dir die 3 N
- Nachdrücken
- Nachklinken (Aktuelle Fahrtanzeige ablesen und Wert laut sagen.)
- Nachdenken
Reicht der verbleibende Rest der Landebahn nicht mehr aus, um auf der Landebahn zu landen, wird entweder eine verkürzte Platzrunde geflogen oder du landest in Gegenrichtung nach einer 180° Umkehrkurve am Platzende. Welche Methode du an deinem Flugplatz bei welcher Höhe und Wetterlage sicher anwenden kannst, wird in der Ausbildung gründlich geübt.
6.2.1.6 Windenstart bei Seitenwind
Was muss in den Startphasen bei Seitenwind beachtet werden?
Vor dem Start:
- Windrichtung und -stärke beachten
Beim Anschleppen:
- Windfahneneffekt berücksichtigen
- Tragflächen waagerecht oder leicht gegen Luv gesenkt halten
Nach Erreichen der Steigfluglage:
- allmählich vorhalten mit passender Querneigung.
Dabei hängt die luvseitige Fläche. - Mit Quer- und Seitenruder den gewünschte Vorhaltewinkel erfliegen und den Faden in der Mitte halten.
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Windrichtung und Windstärke beachten
Windfahneneffekt beim Anrollen, Vorhaltewinkel nach Erreichen der vollen Steigfluglage einnehmen
Zum Startcheck gehört auch die Beachtung von Windrichtung und -stärke. So kannst du feststellen, ob es Seitenwind gibt. Starten mit Seitenwind kommt immer wieder vor und dann musst du vorhalten, manchmal mehr, manchmal weniger. An Segelflugzeugen, die vor dir starten, kannst du feststellen, wie viel du vorhalten musst. Du hältst genügend vor, wenn das herabfallende Windenseil innerhalb des Flugplatzes landet.
Allmählich vorhalten
Nach dem Erreichen der vollen Steigfluglage beginnst du allmählich mit dem Vorhalten. Behutsam mit Quer- und Seitenruder gegen den Wind steuern, bis der gewünschte Vorhaltewinkel erreicht wird. Du lässt dabei die Tragfläche gegen den Wind hängen. Du fliegst dabei schiebefrei und der Faden zeigt auf dich zu. Hältst du nicht oder nicht ausreichend vor, wird das Seil nach dem Ausklinken vom Wind abgetrieben und fällt eventuell über andere Seile oder auch neben das Flugplatzgelände.
Anker: Winde+Windenseil = Wista; Windenschleppseil Segelflugzeug = BTRSollbru; Seilfallschirm zu Winde = Wifall; Windenmotor(zus) = Wimo6111; Seilwinde = Wiseil; Windenfahrer(zus) = Winde1; Einklinken = Winde2; Seilrück = Winde3; Windenstart = Winde4; Phasen = Winde4a; Anschlepp = Winde4b; Ausklinkgriff = Winde4c; Steigwinkel = Winde4d; Fluglage = Winde4e; Ausklinkhöhe = Winde4f; Unterbrechnung = Winde 4g; Seitenwind = Winde5
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